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Marco Kuhn, vom Grossbank-Projektmanager zum Gesicht eines stillen Aufstands
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Es ist ein Radiomoment, der alles verändert. Ein ganz normaler Tag, ein beiläufig eingeschalteter Sender. Dann fällt im Programm von Radio FM1 ein Satz über eine geplante Gesetzesrevision im Kanton St. Gallen: Impfpflicht, Busse bis zu 20’000 Franken. Marco Kuhn zuckt zusammen. „Ich bin aufgeschossen wie ein erschrockenes Reh“, sagt er heute. Minuten später sitzt er am Laptop. Die Petition ist geboren.
Marco Kuhn über Haltung, Öffentlichkeit und Verantwortung.
Was als spontaner Impuls beginnt, entwickelt eine Eigendynamik, die selbst ihn überrascht. Erst zehn Unterschriften. Dann ein digitales Lauffeuer. Im Sekundentakt kommen neue dazu. Über 30’000 Menschen schliessen sich an. „Natürlich hofft man auf viele Stimmen“, sagt Kuhn. „Aber es waren die persönlichen Mails, die mich wirklich berührt haben.“ Dankbarkeit. Zustimmung. Aber auch Widerspruch. „Es gab sogar jemanden, der fragte, ob es eine Petition gibt, damit ich mein Maul halte.“ Seine Antwort? Kurz. Klar. „Zum Glück nicht.“
Kein Aufstand, sondern eine Grenzfrage
Marco Kuhn ist kein Lautsprecher. Kein medizinischer Missionar. Kein politischer Hardliner. Seine Argumentation ist nüchtern, fast sachlich – und genau darin liegt ihre Kraft. Er spricht nicht über Impfstoffe, sondern über Verhältnismässigkeit. Über Recht. Über Freiheit.
„Eine Busse von 20’000 Franken ist kein Entscheid mehr, das ist Zwang“, sagt er. Für ihn steht weniger die medizinische Frage im Raum als eine grundsätzliche: Wo endet staatliche Verantwortung, wo beginnt persönliche Selbstbestimmung? Auch nach der Volksabstimmung zum Covid-19-Gesetz bleibt für ihn klar: Artikel 10 der Bundesverfassung – das Recht auf persönliche Freiheit – ist nicht verhandelbar.
Was seine Petition von radikalen Bewegungen unterscheidet, ist der Ton. „Hass und Feindlichkeit bringen keinen Dialog“, sagt er. Sein Ziel sei es gewesen, den Menschen die Augen zu öffnen – nicht, sie in Lager zu treiben. Entscheiden sollen sie selbst.
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38 Jahre Konzern – und ein Menschenbild
Dass Marco Kuhn so argumentiert, ist kein Zufall. Er hat fast vier Jahrzehnte in einem der grössten Finanzhäuser der Schweiz verbracht. 38 Jahre Credit Suisse. Eine Karriere, wie sie heute selten geworden ist. Zahlungsverkehr, Buchhaltung, Produktmanagement, IT. Vor allem aber: Projektmanagement.
Eines dieser Projekte wird legendär in seiner Laufbahn: eine neue Hypothekar-Applikation. Budget: 36 Millionen Franken. Dutzende Schnittstellen, hunderte Stakeholder, bis zu 60 Projektmitarbeitende. „Ich dachte zuerst: grossartig. Dann wurde mir klar, dass das kein Spaziergang wird.“
Was Kuhn auszeichnet, ist nicht technisches Detailwissen allein. Es ist sein Führungsstil. Bevor er Verantwortung verteilt, sucht er das Gespräch – nicht nur mit den Mitarbeitenden, sondern mit deren Familien. Er erklärt, was es bedeutet, Teil eines solchen Projekts zu sein: Wochenenden, Feiertage, Verzicht. „Jeder sollte frei entscheiden können, ob er das will.“ Für ihn besteht Erfolg aus „50 Prozent Fachwissen und 50 Prozent Menschlichkeit“.
Ein Satz, der bleibt.
Die Ambivalenz der Pandemie
Dann kommt Covid. Und mit ihm eine Rolle, die heute Fragen aufwirft. Im Winter 2021/22 ist Marco Kuhn verantwortlich für ein Schutzkonzept eines Skilifts. Maskenpflicht, Vorgaben, Kontrollen. Auf der letzten Seite ein grosses BAG-Plakat: „Impfen lassen.“
Wie passt das zu dem Mann, der später gegen Impfzwang mobilisiert?
Kuhn zögert nicht. „Ich hatte einen grossen inneren Konflikt.“ Es sei eine Zeit der Unsicherheit gewesen. Vorgaben mussten umgesetzt werden, Kontrollen fanden statt. „Wir mussten es einfach tun.“ Gleichzeitig habe er gesehen, was diese Zeit angerichtet habe: Einsamkeit, Trennung, gesellschaftliche Spaltung. „Für mich war klar: Sich impfen war nie ein Thema. Und heute erst recht nicht.“
Was bleibt, ist eine Lehre. Dass Freiheit kein Selbstläufer ist. Und dass Demokratie bedeutet, nicht alles widerspruchslos hinzunehmen.
Der Mensch hinter der Petition
Heute lebt Marco Kuhn im Rheintal. Pensioniert. Verheiratet. Zufrieden. Er kocht gern, fährt E-Bike, fotografiert. Vor allem schätzt er Ruhe. „Ärger und Stress tun der Gesundheit nicht gut.“
Geprägt hat ihn ein Mann namens Moreno Babini, ein Persönlichkeitstrainer. Von ihm hat Kuhn gelernt, Haltung zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen – und immer den eigenen Namen darunterzusetzen. Transparenz als Lebensprinzip.
Fragt man ihn, wie er in zehn Jahren gesehen werden möchte, lacht er. „Auf jeden Fall nichts Schlechtes.“ Humor ist ihm wichtig. Ehrlichkeit. Hilfsbereitschaft. Werte, die er vor 25 Jahren aufgeschrieben hat – und bis heute lebt.
Marco Kuhn ist kein Revoluzzer. Er ist auch kein Held. Er ist ein Mann, der an einem Punkt beschlossen hat, nicht mehr still zu bleiben. Und genau darin liegt seine Geschichte.
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