Musik
DER KOFLER – Der Mann, der die Steirische unter Strom setzt
Wenn Martin Kofler die Bühne betritt, wird aus dem Kärntner Jungen aus Stockenboi eine Figur, die nicht übersehen werden will. Ein Typ mit Haltung, mit Anspruch, mit Perfektion im Blick und mit einer steirischen Harmonika, die nicht nur Instrument, sondern Lebenslauf ist. „Der Kofler“ nennt er sich – schlicht, klar, ein Statement. Der Vorname ist gestrichen. „Weil die Veranstalter immer gesagt haben: Der Kofler kommt. Und da dachte ich: Warum nicht gleich eine Marke daraus machen?“ sagt er. Es klingt fast selbstverständlich – aber dahinter steckt die Erkenntnis, dass Sichtbarkeit im Schlagergeschäft nicht nur Glück, sondern Strategie ist.
Ein Instrument als Identität
Seine Harmonika ist kein Accessoire, sie ist Geschichte. Sie ist frühmorgendliches Üben als Kind, der strenge Ton seiner Eltern, der ihn – wie er sagt – zu dem gemacht hat, der er heute ist. Ein Segen, eine Prägung, eine Identität. „Nur singen kann jeder“, meint er, „aber ein Instrument auf der Bühne fühlen und spüren – das macht einen Musikanten aus.“
Wenn er davon spricht, klingt kein Funken Koketterie mit: Die Steirische hat sein Leben nicht begleitet – sie hat es geführt.
Wurzeln aus Stockenboi, Energie aus dem Jetzt
Der kleine Ort Stockenboi, mitten in Kärnten, ist für ihn bis heute Rückzugsort und Boden. „Man muss wissen, wo man herkommt“, sagt er. Dort erdet er sich, dort besucht er seine Mutter, dort tankt er Kraft, wenn die Bühnen zu laut werden und das Geschäft zu kalt.
Denn der Künstler, der live über hundert Shows im Jahr stemmt, weiss nur allzu gut, wie dünn die Haut manchmal wird, wenn man den Menschen Wärme schenken soll und hinter der Bühne Eisesluft herrscht. „Ich bin privat eher ruhig, zurückhaltend“, sagt er. „Das Business kann knallhart sein. Da brauchst du ein dickes Fell.“ Ein Satz, der mehr verrät als jeder Bühnenauftritt: Der Kofler ist nicht nur Performer – er ist Überlebender einer Branche, die niemandem etwas schenkt.
Die Magie der Bühne – und der Bruch danach
Doch sobald das Licht angeht, explodiert er. Und es ist diese Explosion, die ihn antreibt: „Diese Energie ist Magie. Man kann sie nicht erklären.“
Die Bühne gibt ihm alles – und nimmt ihm gleichzeitig alles ab. Es ist ein Tauschgeschäft, das er bereitwillig eingeht.
Seine Karriere hatte Höhen, aber auch tiefe Täler. Corona war eines davon. „Da zieht’s dir den Boden weg“, sagt er, und die Worte hängen schwer im Raum. Drei Jahre Unsicherheit, drei Jahre Warten – und dennoch die Überzeugung, weiterzumachen. „Aufgeben kann man einen Brief“, sagt seine Mutter. Ein Spruch, der klingt, als sei er in Kärntner Granit gemeisselt.
Style als Haltung
Als viele Künstler auf Nummer sicher gingen, entschied sich Der Kofler für etwas anderes: ein Hybrid aus Schlager, Volksmusik, Pop und DJ-Elementen – und das Ganze serviert mit Style. „Gewöhnlich kann jeder“, sagt er. Sein Style ist weniger Mode als Haltung: Mut, Neues zu wagen, ohne Rücksicht auf Radiokonventionen oder Schubladen, in die ihn keiner stecken soll.
Seine Songs entstehen im Team – seinem Produzenten Team – und vor allem aus Bauchgefühl. „Der Song muss einen Wums von der Bühne ins Publikum schicken“, sagt er.
Viele Tracks werden mit einem leisen Lächeln geboren, manche mit zweideutigem Augenzwinkern, alle aber mit Herzblut. „Jede Produktion ist ein Risiko. Aber ohne Risiko gibt’s keinen Fortschritt.“
Der Perfektionist unter den Rampensäuen
Wer Der Kofler ist, wenn die Party vorbei ist? Ein Perfektionist, der sich selbst keine Ausreden erlaubt. Einer, der sich auf Details stürzt, wo andere längst die Augen schliessen.
„Da stehen Künstler auf der Bühne, die aussehen wie gestern“, sagt er. „Ich bin da anders. Bei mir muss alles passen – sauber sein, gut riechen, sitzen.“ Nicht arrogant, sondern professionell.
Eine Rampensau, ja – aber eine, die ihre Kontrolle nicht abgibt. Eine, die ihr letztes Hemd für den Auftritt lässt. Genau das macht ihn anders.
Zwischen Volksmusik, Pop und Clubsound – und doch immer er selbst
Musikalisch ist Der Kofler schwer einzuordnen – und genau das ist sein Vorteil. Traditionelle Strasser Harmonika auf der Hütte, Partykracher für Schunkelrunden, Pop-Schlager auf grossen Bühnen und DJ-taugliche Styles für Clubs. „Ich liebe alles“, sagt er. „Hauptsache Musik – am besten meine eigene.“
Ein Track wird für ihn dann gross, wenn er bereits im Studio vibriert. Wenn jeder Ton Gänsehaut macht, wenn das Gefühl stimmt. Nicht, wenn ein Label ruft. Nicht, wenn ein Algorithmus nickt.
Der grosse Traum
Und wohin führt ihn das alles?
„Weiter machen. Viele Konzerte. Mit den Grossen auf der Bühne stehen“, sagt er.
Vielleicht selbst einmal einer der ganz Grossen sein.
Vielleicht ist er es schon – nur noch nicht auf der Liste derer, die entscheiden wollen, wer dazugehört.
Aber Der Kofler entscheidet selbst.
So wie er immer selbst entschieden hat.
Und vielleicht ist genau das sein Weg nach oben.








