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FASHIONPAPER – das Magazin für Fashion, Beauty und Lifestyle

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Zwischen Bergluft und „Silent Luxury“ – der Garberhof

Photo: zVg Garberhof, Nicolo Dalle Molle

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Zwischen Bergluft und „Silent Luxury“ – der Garberhof

Wie Klaus Pobitzer den Hotel Garberhof in eine Haltung verwandelt hat

Morgens um halb sieben, wenn über dem Vinschgau noch eine milchige Stille liegt, beginnt für Klaus Pobitzer der Tag mit einem Espresso. Ein Moment nur für sich, bevor er Gastgeber wird. Nicht Manager, nicht Hotelier. Gastgeber.

Seit über vier Jahrzehnten ist der Garberhof in Familienhand. Und doch wirkt hier nichts museal, nichts rückwärtsgewandt. Vielmehr spürt man eine klare Handschrift, eine Mischung aus Bodenständigkeit, Ästhetik und dem leisen Selbstverständnis dessen, der weiss, woher er kommt.

„Ich bin in einem Gasthaus aufgewachsen“, erzählt Pobitzer. „Mit meinen Eltern, meinen Schwestern, unseren Mitarbeitern und natürlich mit den Gästen. Wenn man mit so vielen Menschen gross wird, prägt das.“ Seine Eltern führten bereits in den 1970er-Jahren ein Gasthaus im Dorf. Gastfreundschaft war kein Konzept, sondern Alltag. „Für mich ist Tourismus nie einfach Arbeit gewesen. Es ist eine Berufung.“

Und vielleicht liegt genau hier der Kern des Garberhof: Er ist gross genug, um Raum zu geben und klein genug, um persönlich zu bleiben. „Man kann Gastgeber nur bis zu einer gewissen Grösse wirklich sein“, sagt er ruhig. „Wir wollen, dass jeder Gast seinen eigenen Platz hier findet.“

Vom Küchenchef zum Visionär

15 Jahre lang stand Pobitzer selbst in der Küche. Kreativität, Präzision, Leidenschaft – Eigenschaften, die er heute auf Architektur und Konzept überträgt.

Früh wusste er, dass sein Weg in die Gastronomie führen würde. Doch nie gab es Druck. „Meine Eltern haben uns nie vorgegeben, den Betrieb zu übernehmen. Genauso mache ich es mit meinen drei Söhnen.“ Stattdessen ging er hinaus in die Welt, England, Kanada, USA, Deutschland. Lehrjahre im besten Sinne. „Man muss rausgehen, Menschen begegnen, Dinge sehen, um zu verstehen, was man selbst will.“ Vor knapp 30 Jahren übernahm er den Betrieb. Ein fliessender Übergang. Kein Bruch sondern ein Weiterdenken.

Was „Silent Luxury“ wirklich bedeutet

Der Begriff „Silent Luxury“ ist heute fast ein Modewort. Im Garberhof ist er Haltung. „Luxus schreit nicht“, sagt Pobitzer. „Er ist nicht vergoldet. Er ist das, was man spürt. Zeit, verstanden werden, Ruhe.“ Keine goldenen Wasserhähne, kein Übermass. Stattdessen Atmosphäre. Luft zum Durchatmen. Räume, die nicht dominieren, sondern begleiten. „Zeit ist das, was uns heute am meisten fehlt“, sagt er. „Und wenn Gäste hierherkommen, sollen sie genau das wiederfinden.“

Design mit Seele

Sein Architekt ist ein Freund aus Kindertagen. Ideen entstehen im Gespräch, in Vertrauen. „Er kennt mich, ich kenne ihn. Ich habe eine Vision, er bringt sie aufs Papier.“ Was hier entsteht, ist individuell. Möbel werden eigens entworfen. Alte Holzbalken aus Heustadeln finden ihren Weg in moderne Räume. Klare Linien statt alpinem Kitsch. „Viele denken, Südtirol muss Schindeldach und Geranien sein. Aber unsere romanischen Häuser sind schlicht, klar, fast puristisch.“ Das Hallenbad wirkt wie ein Wohnzimmer mit Wasser. Lärchenholz, Naturstein, Panorama. Schwimmen mit Aussicht.

Das grösste Hamam Italiens – und warum es mehr ist als Wellness

2009 stand er vor einer Entscheidung: noch mehr Saunen oder etwas Eigenes. Er entschied sich für das Hamam. Heute gilt es als das grösste Hotel-Hamam Italiens. Über 600 Quadratmeter. Dampf, Wärme, Ritual. „Im Hamam steigt die Körpertemperatur langsam. Sie sinkt langsam. Die Erholung ist nachhaltiger.“ Und dann ist da noch der Naturbadeteich. Ohne Chemie. Gefiltert durch Pflanzen. Im Winter Eis, im Sommer bis zu 26 Grad. Ein Gast sagte einmal: „Im Pool schwimmt man wie im Mineralwasser. Im Naturteich wie im Champagner.“ Pobitzer lächelt, als er das erzählt.

Nachhaltigkeit ist für ihn kein Trend, sondern Verantwortung. Seit den 80ern wird mit Holz geheizt. Photovoltaik auf dem Dach. Ein eigenes Solarprojekt in Sizilien soll künftig 100 Prozent Energieautarkie ermöglichen. „Wir verbrauchen Ressourcen. Also müssen wir auch etwas zurückgeben.“

Genuss mit Herkunft

Regionalität ist hier kein Etikett. Eier aus dem Dorf. Käse aus Burgeis. Lamm aus dem Vinschgau. „Uns ist wichtig, zu wissen, woher jedes Produkt kommt.“ Im eigenen Weinberg wächst der „Senza Peso“, ein Wein mit Mineralität und Leichtigkeit. „Er spiegelt die Menschen hier wider“, sagt Pobitzer. Aus den Trauben wird Sauerteig gezogen. Daraus entsteht das Brot. Ein Kreislauf, der schmeckbar ist. Auch der hauseigene Gin erzählt von Region: Marillen aus Mals, Wacholder aus Sardinien, Zitrus vom Gardasee. Es sind nicht einzelne Gerichte, die für ihn die Seele des Hauses ausmachen – sondern Zutaten. Marille. Vinschger Lamm. Handgemachte Teigtaschen.

Inspiration durch Menschen

„Meine grösste Inspiration sind unsere Mitarbeiter und unsere Gäste.“ Er spricht von offenen Augen. Von Zuhören. Vom Nicht-„stallblind“-Werden. „Auch nach 30 Jahren gibt es immer Neues. Man darf nie müde werden.“

Familie als Fundament

Ohne Familie? Undenkbar. „Die wichtigste Person ist meine Frau“, sagt er ohne Zögern. „Sie hält mir den Rücken frei.“ Hotelbetrieb bedeutet Arbeit an Wochenenden, Feiertagen, Ferien. Zeit muss bewusst geschaffen werden. „Samstag ist für uns Feiertag – dann gehört er der Familie.“ Seine Eltern sind weiterhin präsent. Seine drei Söhne wachsen wie er einst zwischen Gästen und Gesprächen auf. Ohne Druck. Mit Möglichkeit.

Drei Worte

Wie beschreibt er sich selbst?
„Einfach. Geduldig. Zukunftsorientiert.“
Er denkt nach, lächelt.
„Geschichte ist schön. Aber wichtig ist, was vor uns liegt.“

Und wenn er frei hätte?

Dann würde man ihn hinter dem Haus finden. Auf einem Stein. Blick in die Weite des Vinschgaus.
„Diese Ruhe, diese Demut, die finde ich sonst nirgends.“

Vielleicht ist genau das das Geheimnis des Garberhof. Kein lautes Versprechen. Keine grosse Inszenierung.

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