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Die Frau, die KI verständlich macht – Patricia Rauber

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Die Frau, die KI verständlich macht – Patricia Rauber

Sie spricht ruhig, überlegt und mit einer Klarheit, die in der lauten Welt der Technologie selten geworden ist. Wenn Patricia Rauber über Künstliche Intelligenz spricht, klingt das nicht nach Hype, sondern nach Verantwortung. Nach Struktur. Und nach einem sehr schweizerischen Verständnis von Fortschritt: Schritt für Schritt, mit Blick auf Qualität und Vertrauen.

Die Unternehmerin aus der Nordwestschweiz beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Unternehmen, vor allem kleine und mittlere Betriebe, KI sinnvoll in ihren Alltag integrieren können. Ihre Whitepaper zum Thema sind inzwischen in der Schweizerischen Nationalbibliothek hinterlegt. Doch statt grosser Visionen spricht Rauber lieber über Realität.

Zwischen Interesse und Vorsicht

„In der Schweiz zeigt sich ein sehr differenziertes Bild beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz“, sagt sie. Besonders bei KMU sei das Interesse gross, gleichzeitig gehen viele Unternehmen bewusst vorsichtig vor.

„Der Fokus liegt stark auf Sicherheit, Verantwortung und einem klar nachvollziehbaren Nutzen.“ Bevor KI tiefer in Geschäftsprozesse integriert werde, wollten viele Unternehmen zunächst Erfahrungen sammeln, einzelne Anwendungen testen und ein internes Verständnis aufbauen.

Ein Ansatz, der typisch für den Schweizer Markt ist und sich von dynamischeren Entwicklungen in anderen Ländern unterscheidet.

Eine Studie der Hochschule Luzern bestätigt diese Beobachtung: Viele Unternehmen befinden sich noch in einer frühen Phase der KI-Nutzung. Besonders häufig wird sie derzeit in Bereichen eingesetzt, die relativ einfach umzusetzen sind, etwa in der Texterstellung, im Marketing oder im Kundenservice. „Komplexere Anwendungen, etwa in operativen Kernprozessen oder strategischen Entscheidungen, werden deutlich zurückhaltender angegangen“, sagt Rauber.

Pragmatismus statt Experiment

Der vorsichtige Einstieg hat viel mit den Strukturen vieler KMU zu tun. „Sie arbeiten mit schlanken Organisationen und klar definierten Abläufen. Veränderungen wirken sich direkt auf den operativen Betrieb aus“, erklärt sie. Neue Technologien werden deshalb zunächst in überschaubaren Projekten getestet.

Hinzu kommt ein starkes Qualitätsverständnis. „Schweizer Unternehmen legen grossen Wert auf Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit. Bevor KI in kritische Prozesse integriert wird, möchten Entscheidungsträger verstehen, wie die Technologie funktioniert und wo ihre Grenzen liegen.“

Dabei sei der Einsatz von KI nicht nur eine technische Frage. „Unternehmen müssen klären, wer für den Einsatz verantwortlich ist, wer Ergebnisse prüft und wer Entscheidungen auf dieser Basis trifft. KI liefert Vorschläge – aber die Verantwortung bleibt beim Menschen.“

Effizienz vor Strategie

Derzeit wird KI in vielen KMU vor allem als Effizienzwerkzeug genutzt. „Der Fokus liegt darauf, administrative Aufgaben zu vereinfachen, Zeit zu sparen und bestehende Prozesse zu unterstützen“, sagt Rauber. Der strategische Einsatz – etwa zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle oder neuer Dienstleistungen – ist noch selten.

Diese Erfahrung machte sie auch bei einem Vortrag vor einem regionalen Gewerbeverein im vergangenen Sommer. „Die meisten Unternehmen kannten KI und nutzten einzelne Anwendungen, betrachteten sie jedoch noch nicht als Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie.“

Der Nutzen zeigt sich im Alltag

Dabei kann sich der Einsatz schnell bemerkbar machen, wenn er gezielt erfolgt. „Gerade bei administrativen Tätigkeiten, Kommunikation oder Recherche zeigt sich der Nutzen sehr schnell.“ Viele Aufgaben liessen sich effizienter erledigen, was im Alltag Zeit spare und Mitarbeitende entlaste. Typisch für viele KMU sei dabei ein pragmatischer Blick: „Entscheidend ist weniger eine theoretische Rendite als die Frage, ob die Technologie den Arbeitsalltag tatsächlich vereinfacht.“

Mit zunehmender Erfahrung wachse dann auch der Mehrwert. „Unternehmen, die früh beginnen und schrittweise lernen, können KI später gezielter einsetzen.“

Wenn sich Arbeit verändert

Mit dem Einsatz von KI verändern sich auch Rollen und Aufgaben. „Routinearbeiten werden zunehmend unterstützt oder teilweise übernommen“, sagt Rauber. Gleichzeitig gewinnen menschliche Fähigkeiten an Bedeutung, etwa Einordnung, Verantwortung und praktisches Verständnis. Sie zieht einen historischen Vergleich: „Als Henry Ford das Fliessband einführte, veränderte sich nicht nur die Geschwindigkeit der Produktion, sondern die gesamte Organisation der Arbeit.“

Ähnlich sei es heute mit Künstlicher Intelligenz. Unternehmen, die ihre Aufgaben und Rollen früh neu denken, könnten besser erkennen, welche Fähigkeiten künftig wirklich gefragt sind.

Zwischen Neugier und Unsicherheit

Die Reaktionen von Mitarbeitenden auf KI sind unterschiedlich. „Sie reichen von Interesse und Neugier bis hin zu Unsicherheit“, sagt Rauber. Entscheidend sei weniger die Technologie selbst als die Art, wie sie eingeführt werde. Unsicherheit entstehe oft dann, wenn unklar sei, wofür KI eingesetzt werden darf oder welche Verantwortung weiterhin beim Menschen liegt. „Wird KI hingegen transparent eingeführt und mit konkreten Anwendungsbeispielen verbunden, verändert sich die Wahrnehmung deutlich.“

Verantwortung braucht Struktur

Für Rauber beginnt der verantwortungsvolle Einsatz von KI nicht mit der Technologie – sondern mit klaren Strukturen. Viele Unternehmen führten KI punktuell ein, ohne Verantwortlichkeiten oder Regeln festzulegen. „Genau hier entstehen Unsicherheiten im Team und Risiken für das Unternehmen.“ Datenschutz und Cybersecurity seien deshalb keine Nebenthemen, sondern Teil der Führungsverantwortung. „Klare Leitplanken geben Mitarbeitenden Sicherheit und verhindern Fehlanwendungen.“

Vertrauen als neuer Wettbewerbsvorteil

Datenschutz wird dabei häufig als Hindernis wahrgenommen, zu Unrecht, findet Rauber. „Er ist eine Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von KI.“ Unternehmen nutzten die Technologie besonders wirksam, wenn klar geregelt sei, welche Daten verwendet werden dürfen und wie sie geschützt sind. „Vertrauen wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor“, sagt sie. Kunden, Partner und Mitarbeitende erwarteten einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten.

Orientierung im KI-Dschungel

Aus diesem Grund entwickelte Rauber ihre Whitepaper. „Mir war wichtig, Orientierung in einem Bereich zu schaffen, der für viele Unternehmen noch neu und teilweise unübersichtlich ist.“ Die Hinterlegung bei der Schweizerischen Nationalbibliothek war für sie ein bewusster Schritt. „Damit werden die Urheberrechte dokumentiert und das Werk als eigenständiger Beitrag sichtbar gemacht.“ Dass auch das Schweizerische Wirtschaftsarchiv Interesse zeigte, bestätigte für sie die Relevanz des Themas. „Gerade für KMU gibt es bislang nur wenige vergleichbare Orientierungsgrundlagen.“

KI betrifft den ganzen Arbeitsalltag

Für Rauber steht fest: KI ist längst kein reines IT-Thema mehr. „Sie unterstützt Aufgaben in Administration, Marketing, Kommunikation oder Kundenservice.“ Deshalb sei es wichtig, dass auch Mitarbeitende ohne technischen Hintergrund ein grundlegendes Verständnis entwickeln. „Es geht nicht um Spezialwissen, sondern um Orientierung im Arbeitskontext.“ Ähnlich wie einst Programme wie Word oder Excel werde auch KI zunehmend zu einem selbstverständlichen Arbeitsinstrument.

Ein persönlicher Antrieb

Der Weg zu diesem Thema kam für Rauber nicht aus dem Nichts. Neben ihrer Tätigkeit in der Versicherungsbranche arbeitete sie viele Jahre in KMU. „Ich kenne deren Strukturen und Herausforderungen aus eigener Erfahrung. KMU liegen mir besonders am Herzen.“ Als sie in Newslettern immer wieder las, dass in Unternehmen oft klare Regelungen und Orientierung im Umgang mit KI fehlten, begann sie, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Die Entwicklung meiner Whitepaper war ein logischer Schritt.“

Vertrauen wächst langsam

Beim Aufbau ihrer Selbstständigkeit machte sie eine Erfahrung, die ihre Haltung bis heute prägt. „Vertrauen entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Kontinuität.“ Gerade bei einem Thema wie KI, das für viele Unternehmen noch neu ist, brauche es Zeit, bis Verständnis und Akzeptanz wachsen. „Glaubwürdigkeit entsteht durch Qualität und Beständigkeit.“

Der erste Schritt

Am Ende hat Rauber eine einfache Empfehlung für Unternehmen, die noch zögern. „Man muss nicht sofort alles verändern.“ Der erste Schritt bestehe darin, KI im eigenen Arbeitsalltag zu beobachten und gezielt dort einzusetzen, wo sie wiederkehrende Aufgaben vereinfacht. „Nicht die Lautstärke entscheidet, sondern die Substanz.“ Unternehmen, die heute beginnen zu lernen und praktische Erfahrungen zu sammeln, werden morgen handlungsfähig sein. Vertrauen – intern wie extern – wird dabei zu einer der wichtigsten Grundlagen.

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