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Kyra Bohner – Die Frau, die Chancen sieht, wo andere stehen bleiben
Sie trägt High Heels genauso selbstverständlich wie Verantwortung. Wenn Kyra Bohner einen Raum betritt, wirkt sie offen, feminin und aufgestellt. Und vor allem interessiert an ihrem Gegenüber. Gleichzeitig ist sie klar und zielorientiert. Auf ihrem Weg zur Unternehmerin hat sie gelernt, zu handeln, bevor andere danach fragen, direkt zu kommunizieren und Risiken nicht zu fürchten, sondern sie gezielt zu nutzen.
Aufgewachsen mit dem festen Willen, mehr aus ihrem Leben zu machen, startete Kyra Bohner ihre berufliche Laufbahn als Coiffeuse. 16 Jahre lang beobachtete sie dort, wie ein Unternehmen geführt wird und vor allem, wie es nicht funktioniert. „Ich habe gesehen, wie viel Einsatz ich bringe und wie wenig davon bei mir ankommt“, sagt sie heute. Der entscheidende Wendepunkt kam, als sie miterlebte, wie ihr Mann als Selbstständiger an einem einzigen Tag das verdiente, wofür sie einen ganzen Monat mit Zwölf-Stunden-Tagen arbeitete. „Da wusste ich: Es reicht nicht, nur hart zu arbeiten. Man muss auch klug arbeiten.“
Hartnäckigkeit als Erfolgsrezept
Kyra Bohner beschreibt sich selbst als jemand, der sich wie ein Rottweiler festbeisst. Eine Eigenschaft, die ihr im Business immer wieder Türen geöffnet hat. Vor allem dann, wenn andere ihr etwas nicht zutrauten. „Genau solche Situationen waren für mich immer ein Ansporn. Ich wollte beweisen, dass mehr möglich ist, als mein Gegenüber denkt.“ Aus Skepsis wurde Respekt, aus Begegnungen wurden tiefe Beziehungen.
Der wohl mutigste Schritt ihrer Karriere war der Kauf eines Luxusfahrzeugs, obwohl ihr Einkommen gering und die Schulden hoch waren. Ein Risiko, das den Grundstein für Luxury Transfer legte – jenes Business, mit dem sie heute CEOs und bekannte Persönlichkeiten durch die Schweiz chauffieren lässt. Auf der Rückbank dieser Fahrzeuge hat Kyra Bohner viel über Erfolg gelernt. „Ich habe Menschen gesehen, die alles hatten und trotzdem arm sind.“ Geld sei erarbeitbar, sagt sie. Werte hingegen müsse man leben. Jeden Tag.
Oft unterschätzt. Immer überrascht.
Dass sie oft unterschätzt wird, nimmt Kyra Bohner sportlich. Ihr Äusseres und ihre direkte Art führen schnell zu falschen Annahmen. „Ich sehe das nicht als Angriff, sondern als Herausforderung, um mein Gegenüber positiv zu überraschen“, sagt sie. Spielen mit Klischees liegt ihr fern. Sie ist einfach sie selbst. Und genau das polarisiert. „Manche Menschen mögen dich, andere nicht. Das ist okay.“
Ihr Blick auf die Schweiz ist klar: ein Land voller Möglichkeiten und voller Menschen, die sie nicht nutzen. „Vielen geht es zu gut, um etwas zu verändern.“ Kyra Bohner hingegen will das Maximum. Sie probiert aus, scheitert, steht wieder auf. So entstehen neue Chancen und Wege, die sie sonst nie gegangen wäre.
Zwischen Unternehmertum und Mutterrolle
Als Unternehmerin, Ehefrau und Mutter kennt sie ihre Grenzen. Ein Schlüsselmoment: Als ihr Mann bei einem Abendessen einmal, das einzige Mal in 16 Jahren, einen Teller an die Wand warf. „Da wusste ich sofort: Jetzt stimmt etwas nicht.“ Für Kyra Bohner ist das Umfeld oft der erste Spiegel, wenn man selbst die Balance verliert. Reflexion statt Verdrängung ist ihr Rezept, um zurück ins Gleichgewicht zu finden.
Die Zusammenarbeit mit ihrem Mann funktioniert, weil sie sich auf Augenhöhe begegnen. Loyalität, Unterstützung und Freundschaft prägen ihr Business und ihre Beziehung. Und falls doch einmal wieder ein Teller fliegen sollte, wissen beide: Es ist Zeit, etwas zu verändern.
Menschliches Unternehmertum
Das klassische Schweizer KMU-Denken sieht Kyra Bohner kritisch. Für ihre Tochter wünscht sie sich einmal einen Arbeitsplatz, der Leistung honoriert und nicht abgesessene Stunden. „Ein Pinguin wird nie so gut graben wie ein Maulwurf“, sagt sie bildhaft. Deshalb setzt sie in ihren Unternehmen auf Freiheit, Stärkenorientierung und Beteiligung am Erfolg.
Auch im Umgang mit Menschen ist sie kompromisslos. „Man erkennt Menschen an ihren Taten, nicht an ihren Worten“, sagt sie und zitiert die Bibel. Wenn jemand sich als Wohltäter inszeniert, aber Servicepersonal respektlos behandelt, ist Kyra weg vom Tisch.
Business bedeutet Beziehung
Kyra Bohner hat bereits mehrere Firmen gegründet, übernommen und transformiert. Ob ein neues Projekt für sie infrage kommt, entscheidet sich an einer zentralen Frage: Zählt dort das Wohl der Menschen oder nur der Profit? Ihre Unternehmen sollen so aufgebaut sein, dass sie auch ohne sie funktionieren. Mitarbeitende partizipieren, denken unternehmerisch und handeln eigenverantwortlich.
Gerade in Off-Market-Deals, Unternehmensnachfolgen und Investorenprojekten zeigt sich ihre Haltung besonders klar: „Beziehungen sind der wahre ROI.“ Strategie und Know-how sind wichtig, aber ohne echtes Interesse am Menschen dahinter fehlt dem Unternehmen das Herz.
Erfolg ohne Titel
Eine klassische Management-Ausbildung hat Kyra Bohner nicht. Dafür etwas, das sie für unschlagbar hält: die Fähigkeit, wirklich zuzuhören. Ausserdem ist sie keine Theoretikerin, sondern Macherin: Lösungen finden, wo andere aufgeben.
Oder, wie sie es der 14-jährigen Kyra heute sagen würde: Alles, was für andere möglich ist, ist auch für dich möglich. Arbeite nicht nur hart, sondern smart. Ein Credo, das perfekt zu einer Frau passt, die ihren eigenen Weg geht. Und dabei andere ermutigt, es ihr gleichzutun. Ohne Angst, aber mit Haltung.





