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Zurück zu den Wurzeln – wie Bruno Guntern mit Belowzero ein Stück Schweizer Qualität neu erfand
Wenn Bruno Guntern über seine Marke Belowzero spricht, spürt man sofort: Hier redet jemand, der nicht nur ein Produkt verkauft, sondern eine Haltung. Eine Haltung zu Qualität, Verantwortung – und zur Natur. Der Schweizer Unternehmer, der vor über drei Jahrzehnten eine Lücke zwischen Hightech-Funktionsbekleidung und alltagstauglichem Stil erkannte, hat mit Belowzero weit mehr geschaffen als eine klassische Outdoor-Marke. Er hat eine Marke mit Seele gebaut – und sie später, als sie ihren Kurs verlor, entschlossen zurückgekauft.
„Ich wollte Produkte schaffen, die nicht nur auf der Piste, sondern auch im Alltag funktionieren – langlebig, stilvoll und mit Schweizer Qualitätsanspruch“, sagt Guntern. Seine Inspiration kam von den Skipisten Kaliforniens und den Boulevards von St. Moritz. In San Francisco lernte er, grösser zu denken, mutiger zu gestalten. In der Schweizer Nobel-Destination wiederum erfuhr er, wie viel Liebe zum Detail, Service und Qualität bedeuten. Zwei Welten, die seine Unternehmer-DNA bis heute prägen.
Ein Unternehmer mit Haltung
In seinen Antworten wird deutlich, was Bruno Guntern von vielen anderen in der Branche unterscheidet: eine ruhige Konsequenz und der Wille, seinen Werten treu zu bleiben. „Wir springen nicht jedem Trend hinterher“, sagt er. „Wir entwickeln durchdachte Produkte, die wirklich gebraucht werden.“ Genau das ist vielleicht das Geheimnis seines Erfolges: keine lauten Versprechen, sondern gelebte Werte. Werte wie Präzision, Langlebigkeit und Nachhaltigkeit – tief verankert in jedem Teil der Produktionskette.
Belowzero setzt auf ressourcenschonende Materialien, langlebige Designs und persönliche Partnerschaften. Guntern kennt nicht nur seine Lieferanten beim Namen, er besucht sie auch regelmässig – insbesondere in Shanghai, wo die Kollektion produziert wird. „Diese Reisen sind mir wichtig“, betont er. „Ich sehe, wie gearbeitet wird, bespreche die Details vor Ort. Das ist echte Zusammenarbeit, kein anonymer Prozess.“ Seine Partner in China erfüllen hohe Standards – sowohl was Qualität als auch Arbeitsbedingungen und Umweltbewusstsein betrifft.
Zurückgekauft – und wiederbelebt
Ein besonders bemerkenswerter Moment in Gunterts Unternehmerlaufbahn: die Rückübernahme seiner eigenen Marke. Nachdem Belowzero eine Zeit lang in anderen Händen war, entschied er sich, die Firma zurückzukaufen – aus einem klaren Grund: „Ich habe gespürt, dass die Marke ihren Kern verloren hatte.“ Ein mutiger Schritt. Doch für Guntern war es keine Frage, sondern eine Verpflichtung: zurück zu den Wurzeln, zurück zu den Werten, die Belowzero gross gemacht haben.
Seither ist Belowzero wieder das, was es einmal war – nur konsequenter, klarer, nachhaltiger. Die Pandemie spielte dabei sogar eine Rolle der Selbsterneuerung. „In China hat sich die Branche verändert – viele nicht nachhaltige Betriebe mussten schliessen“, erklärt er. Belowzero reagierte schnell, setzte neue Standards, überprüfte alle Produktionspartner und entwickelte sich so weiter – ohne seine Identität zu verlieren.
Innovation mit Sinn
Für Guntern ist Innovation nie Selbstzweck. Sie muss einem echten Bedarf entsprechen – so wie bei seinem virenfilternden Multifunktionsschal, der während der Pandemie entstand. „Wir denken flexibel – aber immer mit Substanz“, sagt er. Innovation soll nicht nur technisch beeindrucken, sondern auch praktisch überzeugen.
Heute versteht sich Bruno Guntern weniger als klassischer Firmenchef, sondern als Impulsgeber. „Früher wollte ich alles selbst machen. Heute weiss ich, wie wichtig ein gutes Team ist.“ Bei Belowzero herrscht eine Kultur des Zuhörens, der Offenheit. Kreativität entsteht hier nicht durch Druck, sondern durch Vertrauen.
Schweizer Wurzeln, globale Perspektive
Trotz internationaler Ambitionen bleibt die Schweiz der emotionale Anker von Belowzero. Hier wird nicht nur designt, hier wird gedacht. Und doch ist der Blick längst über die Alpen hinaus gerichtet: Mit organischem Wachstum, Authentizität und einem klaren Markenprofil will Belowzero auch international Kund:innen gewinnen, die mehr suchen als nur „Outdoorwear“.
Was Bruno Guntern antreibt, lässt sich kaum in einem Businessplan festhalten. „Ich möchte etwas Nachhaltiges und Sinnvolles schaffen“, sagt er. Und man glaubt ihm jedes Wort. Denn wer mit so viel Überzeugung spricht, mit so viel Herzblut durch Shanghai reist, um Nähte zu prüfen, und eine Marke zurückkauft, weil sie ihre Seele verloren hat – der macht keine Kompromisse. Der lebt Unternehmertum als Haltung.





